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09. Jun 2017

Unternehmenskommunikation im Härtefall – ein Minishitstorm rollt über MegaPart hinweg

Die Kommunikation zwischen Unternehmen und Öffentlichkeit ist eine zentrale Aufgabe des Marketings und im Normalfall gut steuerbar. Daher ist man recht überrascht, wenn die Dinge auf Social Media Kanälen eine Eigendynamik entwickeln, die man eben nicht mehr gut im Griff hat. So durften wir kürzlich den Umgang mit einem kleinen aber feinen Shitstorm üben.

Zur Vorgeschichte: Als Personaldienstleister, unter anderem in der IT-Branche, arbeiten hier bei MegaPart Menschen, die täglich mit Informationstechnologie zu tun haben und sich vergleichsweise tief damit auskennen – so spiegelt man es uns in Gesprächen mit Freelancern und wechselinteressierten Festangestellten. Manche von uns sind selbst Entwickler, Tester, Scrum-Master und Ingenieure, manche tüfteln zu Hause an Handware herum – you name it.  Ich behaupte: Auch wir sind IT. Und was tut der ITler, wenn er sich für die Kernthemen in seinem Beruf begeistert? Er tummelt sich auf Workshops, Vorträgen, User Groups, BarCamps etc., findet dort neue Impulse, trägt mit eigenem Wissen oder Fragen bei und erweitert sein Netzwerk. So meldeten wir (Viola und Katharina von MegaPart) uns im März 2017 auf einem vielversprechenden lokalen offenen Event des Chaos Computer Clubs an, der Gulaschprogrammiernacht. Voller Vorfreude auf spannende Tage im Karlsruher ZKM mit Vorträgen und vielen Eindrücken taten wir auf Twitter unter dem MegaPart-Account kund, dass wir dabei sind und uns auf Gespräche freuen. Augenblicklich brach eine Welle der Ablehnung über uns herein, weil nun bekannt war, dass wir IT-Recruiter sind. Beispiele für Reaktionen auf Twitter:

Der raue Wind war gleichermaßen ein interessantes Social Media Phänomen, aber auch eine harsche Ablehnung des Berufsbildes des Recruiters oder des Personaldienstleisters an sich – ohne dass dies mit Erfahrungen mit MegaPart direkt verknüpft zu sein schien. Wir ritten die Empörungswelle bereitwillig – mit einem flauem Gefühl im Magen über so viel Antipathie für unsere Arbeit, die wir schätzen und der wir uns täglich mit Herzblut und Überzeugung widmen – so wie andere sich dem Schreiben von Code.

Rückblickend war es zwar nicht schön, aber wir sind aus heutiger Sicht dankbar für die Erfahrung und vor allem auch für unglaubliche Reichweite. So viel Aufmerksamkeit hätten wir durch einen einfachen Besuch der Gulaschprogrammiernacht nicht erreichen können. Einem Besuch, von dem wir übrigens unter den gegebenen Umständen absahen. Das virtuelle blaue Auge genügte uns…

Falls Ihnen einmal Ähnliches widerfahren sollte, oder falls Sie auch einfach nur interessiert sind, was in jenen Tagen geschah, stelle ich hier unsere Erfahrungen zusammen und leite daraus praktische Empfehlungen ab.

  • Bei uns startete der Storm abends und wir lasen und antworteten bis spät in die Nacht. Danke an Katharina, die den aufkommenden Sturm witterte und mich warnte! Ich empfehle Ihnen: Haben Sie im Blick, wie die Reaktionen auf Postings sind. Ein Warnsystem ist hier sehr hilfreich.
  • Reagieren Sie schnell, denn jetzt schaut man auf Sie. Auf den Social Media Kanälen erwartet man Ihre erste Antwort innerhalb von Minuten oder wenigen Stunden. Hier bleibt keine Zeit zum Abstimmen oder Einholen von Ratschlägen.
  • Unsere Bühne hieß Twitter und daher ist es sinnvoll, genau dort zu reagieren und zwar in der Sprache des Gegenübers. Sich auf das Gegenüber einzuschwingen, bedeutet in dem Fall nicht, dass wir ebenso beleidigend und ausfallend reagieren – aber die Verwendung des Kraftausdrucks „Scheiß“, quasi als Zitat, gestattete ich mir, wie Sie unterhalb lesen können.

 

  • Bieten Sie Unterhaltungswert! Wir fühlten uns wie im Improvisationstheater: Plötzlich auf der Bühne, ohne Vorbereitung und alle schauen, wie wir nun reagieren. Im Kontrast zum Improtheater war jedoch die Grundstimmung negativ und angreifend. Was taten wir: Wir nutzten die Bühne und boten Unterhaltung. Kreative, humorvolle Antworten gaben wir in der Hoffnung, beim popcornessenden Publikum beliebter zu sein als der Angreifende. Nicht wegducken, nicht zurückschießen oder in die Defensive gehen – das möchte das Publikum nicht sehen. Stattdessen: Größe zeigen und nahbar sein.

 

 

 

 

  • Liefern Sie gute Argumente – aber eher subtil, ohne sich plump zu verteidigen oder gar das Gegenüber anzugreifen. Ich fühlte mich fast geehrt, dass man uns als lokale, mittelständische Firma zutraute, im Auftrage des Geheimdienstes tätig zu sein (siehe nachfolgender Tweet). Tatsächlich würde der Geheimdienst, nachdem das erste Gefühl der Ehre verflogen wäre, mit Sicherheit nicht unser Kunde werden. Und es wäre nicht der erste Kunde, bei dem wir uns gegen eine Zusammenarbeit entscheiden.

 

 

  • Nach ein bis zwei Wochen ist der Storm überstanden. Dann lohnt es sich, mal die nüchternen Zahlen zu betrachten. In unserem Fall waren das weit über 2300 Zuschauer des Spektakels und zahlreiche Webseitenbesucher – Menschen, die uns im Idealfall sogar in positiver Erinnerung behalten.
  • Lernen Sie aus dem Erlebten. Einen Shitstorm sollte keine Firma auf die leichte Schulter nehmen, denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass Social Media Aktivitäten sogar Aktienkurse ins Wanken bringen können. Es ist auch nichts, womit man sich schmücken sollte. Sollte man wirklich einen Fehler begangen haben, sollte man sich im selben Medium zeitnah dafür entschuldigen. In unserem Fall war es keine Schmach und zum Glück entstand aus heutiger Sicht auch kein Schaden.
  • Gehen Sie offen mit dem Erlebten um und schämen Sie sich nicht. Eine Zensur löst vermutlich gleich die nächste Empörungswelle aus. Die Lösung sollte auch nicht lauten, in Zukunft auf den Social Media Kanälen übertrieben vorsichtig zu agieren. In einer Fehlerkultur, wie wir sie bei MegaPart leben, gehen wir offen mit dem Erlebten um – denn so können wir lernen. Außerdem ermuntert es Kollegen, ebenfalls in bester Absicht mutig für MegaPart zu agieren.

 

CCC-ler, die mal auf eine Tasse lokal gerösteten Kaffee bei uns in Durlach vorbei kommen und mit mir aufrichtig über den Nutzen und der Notwendigkeit von Recruiting in der IT Angesicht zu Angesicht plaudern möchten, dürfen sich gerne melden. Wenn das Gespräch den erhofften beidseitigen Erkenntnisgewinn mit sich bringt und entsprechend ein bisschen länger dauert, serviere ich auch gerne eine Portion vegetarisches Gulasch.

Viola Frankenberg

Teamleiterin Permanent Placement/ Marketing

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