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21. Jan 2020

Digital Labs –eine lebendige Innovationskultur mit Format – Teil II

Nachdem euch der erste Artikel unsere Erfahrungen mit dem Lern- und Experimentierraum schilderte, berichte ich euch in diesem Blog davon, was dazu führte, dass wir hier einen Erfolgsweg beschritten haben. Sieben Erfolgsfaktoren habe ich ausgemacht, die ich einzeln erläutern möchte.

Erfolgsfaktor 1: die Begleitung (sogar mit 80 % gefördert)

Bei MegaPart entschieden wir uns, hierfür neues Wissen von außen ins Haus zu holen. Schließlich ist externe Expertise unser Business. Also engagierten wir Christiane Kuntz-Mayr, akkreditierte Prozessberaterin für „unternehmensWert:Mensch plus“, um uns zu helfen.

Von ihr erfuhren wir vom Förderprojekt „unternehmensWertMensch plus“ – ein eher sperriger und nicht gerade leicht einprägsamer Begriff. Vom Bundministerium für Arbeit und Soziales großzügig gefördert, bekommen wir als mittelständisches Unternehmen in diesem Projekt eine Begleitung bei der Entwicklung neuer Lösungen, um in Zeiten des digitalen Wandels auf neue Weise frische Ideen zu generieren und umzusetzen. Ziel ist es, die Leistung unseres Unternehmens zu verbessern und dabei „ganz nebenbei“ neues Wissen zu vermitteln, wie wir in agilen Teams durch iterative Vorgehensweise effektiv und effizient arbeiten können. Die meisten Unternehmen, die bei diesem Förderprogramm mitmachen, machen sich zukunftsfit durch Lösungen, die mit Industrie 4.0 oder Digitalisierung zu tun haben. Also passte das hervorragend zu uns. So konnten wir uns eine umfassende Begleitung durch Christiane Kuntz-Mayr gönnen.

Erfolgsfaktor 2: Heterogenität

Für die erste Erfahrung mit diesem Prozess empfahl uns Christiane Kuntz-Mayr, ein Team in einer Größe von 7 Köpfen im Lab-Team und 4-5 Köpfen im Lenkungsausschuss zusammenzustellen. Weil der Andrang groß war haben wir die Plätze verlost. Dabei war eine Anzahl von Führungskräften im Lenkungsausschuss gesetzt.

Zunächst einmal sollte das Team möglichst heterogen sein: jüngere und ältere Mitarbeiter*innen, Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Bereichen oder ggf. auch völlig neu eingestellte Kolleg*innen aus anderen Branchen. Das hat bei uns trotz zufälliger Auswahl unter den sich bewerbenden Kolleg*innen geklappt. Zielsetzung war, durch möglichst viel „Querdenken“ bahnbrechende Ideen zu entwickeln. Raus aus den üblichen Denkbahnen!

 

Neben der fachlichen Exzellenz und der Heterogenität sollten sich die Lab-Teammitglieder durch Innovationskraft und eine „Start-up-Mentalität“ auszeichnen. Es ist essenziell, dass die Mitarbeiter*innen Freude an Neuem und am Ausprobieren haben. (Andere würden sich auch nicht für die Mitwirkung in dieser Form bewerben).

Erfolgsfaktor 3: Time Boxing

Da alle Kolleg*innen reichlich zu tun haben in ihren Rollen, soll die zusätzliche Auslastung durch die Mitwirkung so gering wie möglich gehalten werden. Das ist auch der Wunsch aller Mitwirkenden, die sich bei der Bewerbung schon auf einen genau bemessenen Gesamtumfang eingestellt haben. Damit der Aufwand nicht überschritten wird, wird jedes einzelne Meeting 1. nicht verschoben und 2. genau der zeitliche Rahmen eingehalten. Alle die dachten, dass agile Vorgehensweisen alles nicht so eng sehen und man die Rahmenbedingungen bestimmt recht beweglich handhaben kann, weil agil ja so flexibel ist, der wird hier sofort eines besseren belehrt. Eher wird nur 80% abgeliefert und damit umgegangen, als dass man eine Deadline verschiebt, ein Meeting verschiebt oder überzieht.

Erfolgsfaktor 4: Geduldig sein und in Ruhe arbeiten lassen

Als Mitglied des Lenkungsausschusses wusste ich, dass mein klarer Auftrag ist: Das Team machen lassen und nicht zwischendurch nachforschen „wie es denn so läuft“. Auch das kostet Zeit und beeinflusst die freie Teamarbeit. Also hielt ich meine Neugier im Zaum und war umso gespannter, als das Team das erste Mal dem Lenkungskreis berichtet hat um Feedback zu erhalten. Wie bei einem Spiel gibt es klare Spielregeln, die es einzuhalten gilt, damit der Prozess zum Erfolg führt.

Erfolgsfaktor 5: Dedizierte Ressourcen

Digital Labs kombinieren somit das Beste aus beiden Welten: Die finanzielle Kraft eines etablierten Unternehmens und die Innovationskraft eines Start-ups. Man kann ein Lern- und Experimentierraum-Team maximal frustrieren, wenn es am Ende heißt, nee, dafür geben wir aber kein Geld aus. Wenn schon so viele Köpfe an Ideen stricken, muss die Fragestellung wohl wichtig genug sein, dann auch ein sinnvolles Budget zur Verfügung zu stellen.

Dezidierte Ressourcen bereit zu stellen heißt auch, den Mitgliedern stets die verlässliche Teilnahme an den Meetings zu ermöglichen und sie nicht an den Schreibtisch zurück zu beordern, weil das operative Geschäft nach ihnen ruft.

Erfolgsfaktor 6: agile Entwicklungsansätze

Digital Labs sind ähnlich wie Start-ups flexible und höchst dynamische Organisationsformen. Daher werden in Digital Labs in der Regel keine klassischen Entwicklungsmodelle (V- oder Wasserfall-Modell) angewandt. Die Entwicklung von digitalen Ideen erfolgt vielmehr über agile Entwicklungsansätze und nach dem Go-Learn-Go-Prinzip. Dabei werden in kurzen Entwicklungszyklen Ideen oder Teilaspekte von Ansätzen entwickelt bzw. und in regelmäßigen Rhythmen mit dem Digital Leader sowie den Kunden (also den Endanwendern des Digital-Lab-Ergebnisses) verprobt. Des Weiteren wird vorzeigbaren Ergebnissen mehr Bedeutung beigemessen als umfassender Dokumentation. Es wird daher nur das dokumentiert, was zur Gewährleistung der Nachvollziehbarkeit nötig ist. Ziel ist es, bürokratische Hürden und Bremsklötze so gering wie möglich zu halten.

Erfolgsfaktor 7: Maximale Freiheitsgrade

Durch die Freistellung der personellen Ressourcen von anderen Aufgaben und der Bündelung an einem neuen Unternehmensstandort außerhalb der üblichen Organisationsinfrastruktur erhält das Digital Lab enorme Freiheitsgrade: Freiheitsgrade nicht nur hinsichtlich Kompetenzen, Entscheidungsgeschwindigkeit und Ressourcen, sondern v.a. bzgl. des Denkens und Verprobens neuer Ideen. So entwickeln sich eine Innovationskraft und ein Gründer-Spirit ähnlich wie in Start-ups, den Firmen mit eingefahrenen Denkmustern und Prozessen häufig nicht erreichen.

Der Ansatz eines Lern- und Experimentierraumes birgt für Unternehmen wie uns große Chancen. Wir sind dankbar, diese Vorgehensweise mit der Unterstützung von Christiane Kuntz-Mayr entdeckt und erlernt zu haben. Sie war als Prozessberaterin maßgeblich daran beteiligt, dass das Projekt zu einem tollen Ergebnis geführt wurde. Die Innovationskraft und die frischen Ideen aus den Lern- und Experimentierräumen haben Potenzial, unsere Digitalisierung voran zu treiben, Mitwirkung zu fördern, die Identifikation mit dem Kurs von MegaPart zu steigern und Geschäftsprozesse fundamental zu verändern. Bei allen Chancen, empfehlen wir mit Bedacht und guter Begleitung in ein solches Projekt zu starten, damit es gelingt. Sprecht Kolleg*innen aus dem MegaPart-Team oder mich gerne an, wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet.

Viola Frankenberg

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